Korkenzieher

Der amerikanische Ingenieur Herbert Allen fügte dem mechanischen Korkenzieher noch zwei Erfindungen hinzu: Der „Screwpull“ von 1979 verbesserte Edward Thomasons simples Modell von 1802, und der „Selbstzieher“ von 1981 verbesserte die Hebel-Korkenzieher. Es bleibt aber dabei: Die nötige Kraft muss der Mensch aufbringen. Muss er das wirklich?

Zwei neue Erfindungen machen damit Schluss. Sie verkörpern das Versprechen des modernen technischen Zeitalters, in dem rein mechanische Geräte als altmodisch gelten. Philips bringt in den achtziger Jahren einen elektrischen Korkenzieher auf den Markt. Nun genügt ein Tastendruck, um die Spindel mithilfe eines Elektromotors zu drehen. Wieder ein neues Küchengerät im Schrank. Das Coravin-Patent von 2010 nutzt die Thermodynamik von Gasen: Eine hohle Nadel bohrt sich durch den Kork in die Flasche, Gas strömt hindurch und erhöht den Luftdruck oberhalb der Flüssigkeit, bis der Korken langsam herausgedrückt wird.

Das ist der Punkt, an dem Lucius Burckhardt lächeln würde. Der 2004 verstorbene Schweizer Designtheoretiker mokierte sich über das Phänomen der „Kontraproduktivität“ zeitgenössischen Designs: Irgendwann erreicht die Technik eine Stufe, auf der ein Apparat dem Mängelwesen Mensch nur noch minimalen persönlichen Aufwand abverlangt – dafür den Apparat aber in ein größeres System einbettet, das einen Aufwand anderer Art nach sich zieht. Der Elektrokorkenzieher braucht Strom, der Coravin eine Gaskartusche. Ohne diese Zusätze sind beide Geräte nicht mehr zu gebrauchen. Burckhardt hatte dazu eine klare Meinung: „Wir sollten diejenigen Objekte meiden, die uns dazu zwingen, weitere Zusatzgeräte zu kaufen.“

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